September/Oktober/November


Liebes Gemeindeglied,

 

wissen Sie noch, wo Sie sich am 11. September 2001 am Nachmittag aufgehalten haben? 25 Jahre ist das jetzt her und normalerweise habe ich bereits Probleme, die vergangenen Woche zu rekonstruieren, wenn ich nicht vorab in meinen Terminkalender schaue, doch an dieses Datum erinnere ich mich genau.

Ich war damals Seelsorger in Solingen und gerade im Evangelischen Altenheim, als die Sekretärin vom Empfang zu mir kam und sagte, ich solle einmal den Fernseher im großen Speisesaal einschalten. Ja, wieso denn, fragte ich. In New York findet gerade ein Anschlag auf das World Trade Centre statt. Und welchen Sender soll ich einschalten? Ist egal, das läuft auf allen Sendern.

Gebannt, wie festgewurzelt stand ich vor dem Fernseher und schaute mir an, was da in New York vor sich ging, wie das nächste von Terroristen gesteuerte Flugzeug in den zweiten Zwillingsturm des World Trade Centre einschlug, wie Menschen aus dem brennenden Gebäude sprangen und wie geraume Zeit später erst der eine, dann der andere Wolkenkratzer in sich zusammenstürzte.

Noch jetzt überläuft mich ein kalter Schauer, während ich das alles niederschreibe, denn für mich war das damals kein fernes Geschehen, mit dem ich nichts zu tun hatte. Nur wenige Wochen vorher, Anfang Juli 2001 war ich in New York gewesen und hatte natürlich auch das World Trade Centre besucht. Das höchste Gebäude der Welt, so jedenfalls wurde dort behauptet.

In rasanter Geschwindigkeit brachten einem die Aufzüge auf über 400 Meter Höhe. Die Aussicht war berauschend. Man hatte einen phantastischen Blick über die Stadt, bis weit hin übers Meer. Die anderen Hochhäuser in der Umgebung wirkten wie Zwerge und die Autos wie von der Spielzeugeisenbahn.

Ich verbrachte dort oben Stunden, um zu schauen, was ich noch nie zuvor gesehen hatte. Die Wolken, die heranwehten, konnte man von oben betrachten. Irgendwann wurde es dann Nach und die Stadt verwandelte sich in ein Lichtermeer. Es war ein unvergleichbares Erlebnis. Was Menschen doch Erstaunliches schaffen können!

Und nun, kaum zwei Monate später, wieder zu Hause, die Erkenntnis, zu welchen unsagbaren Verbrechen Menschen doch fähig sind und das Erschrecken darüber, was gewesen wäre, wenn mein Aufenthalt in New York und die Anschläge zusammengetroffen wären. Ich empfand diesen Anschlag vom 11. September 2001 damals vor dem Fernseher als existenzielle Bedrohung, obwohl ich doch so weit weg war.

Und heute, 25 Jahre später? Terroranschläge aller Orten! Selbst bei uns vor der Haustür! Die Kriege, die seit 2001 geführt wurden und aktuell immer noch geführt werden, um vorgeblich den Terrorismus einzudämmen, machen die Lage m. E. nur noch schlimmer. Krieg tötet nicht nur Terroristen, sondern auch viele Unschuldige und gebiert gleichzeitig viele neue Terroristen. 

Doch wie kommt man aus dieser Spirale raus? Wie lassen sich die Kriege beenden und wie lässt sich dem weltweiten Terrorismus ein endgültiges Ende setzen?

Ja, wie erschaffen wir eine Welt, in der alle in Frieden und Wohlergehen leben können? Ich weiß es nicht! Sie vielleicht?

Wenn wir in die Bibel schauen, verhielt es sich damals bereits genauso wie heute. Machtkämpfe, Mord und Totschlag aller Orten, von Anfang an. Ein Menschenleben zählte in jenen Zeiten nur wenig bis gar nichts. 

Jesus stellt sich einem solchen Denken, das Menschen derart geringschätzt, entgegen. Er begegnet den Menschen mit Respekt und gibt ihnen Würde. Jedes Menschenleben zählt und ist wichtig, so lehrt, predigt und handelt er.

Jesus redet vom Frieden. Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen, sagt er in der Bergpredigt. Bloß, wie lässt sich das umsetzen? Mit dem bloßen Beklagen des aktuellen Weltgeschehens kommen wir hier nicht weiter. Niemand von den Mächtigen wird da auf uns hören.

Doch so wie Jesus es selbst tat, können auch wir damit beginnen, in der Begegnung mit dem Einzelnen etwas zu verändern und darauf zu hoffen, dass sich dadurch langfristig und auch grundsätzlich etwas verändert.

Auch in Organisationen, Initiativen, Parteien, Verbänden und in der Öffentlichkeit können wir das Wort erheben und für den Frieden eintreten.

Wir sind nicht hilflos und wir sind nicht machtlos, warum denn sonst würde Jesus uns auffordern, Frieden zu stiften. Er setzt auf uns und unsere Initiative. Er vertraut uns und unseren Fähigkeiten als Friedensstifter. Ihm sollten wir folgen und uns in seinem Namen für eine Welt im Frieden einsetzen.

Gebe Gott uns die Kraft dazu. Amen.

 

Pfarrer Armin Kopper       

 

 




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