Juni/Juli/August
Liebe Gemeinde,
eines der bekanntesten Lieder, die wir im Sommer in unseren Gottesdiensten singen heißt: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Es stammt von Paul Gerhardt und findet sich unter der Nummer 503 in unserem Gesangbuch. In 15 Strophen beschreibt der Lieddichter darin, was er unter „Freude“ versteht.
Wer die Strophen des Liedes liest oder singt, der merkt aber dann sehr bald, dass das Wort „Freude“ im 17. Jahrhundert vermutlich noch etwas ganz anderes gemeint hat, als das, was wir heute darunter verstehen.
Würden wir heute danach gefragt, was wir unter dem Stichwort „Freude“ verstehen, dann würden die meisten sicherlich zuerst einmal davon berichten, was ihnen Freude bereitet bzw. womit sie den Menschen in ihrer nächsten Umgebung eine Freude machen können. Das zeigt, dass Freude für uns schon etwas sehr Individuelles ist, denn nicht alle freuen sich über dasselbe.
So machen Freude z. B. kleine Aufmerksamkeiten und Geschenke, man freut sich über die bestandene Prüfung, die Zusage für den Ausbildungsplatz oder einfach auch mal über das schöne Wetter oder den bevorstehenden Urlaub.
Wenn wir in die Bibel schauen, dann meint das Wort „Freude“ dort aber auch wieder etwas ganz anderes, als jene Freude, wie ich sie gerade geschildert habe und die sich sehr am Moment festmacht. Und es ist auch ein wenig anders, als das, was Paul Gehrhardt in seinem Lied beschreibt.
Überhaupt kommt das Wort Freude in der Bibel gar nicht so häufig vor, wie ich anfangs dachte. Insgesamt 59 Belege finden sich für das Wort Freude im Alten und Neuen Testament. In der Thora, den fünf Büchern Mose kommt es überhaupt nicht vor. Am häufigsten dagegen in den Psalmen, immerhin elfmal. Und gleich dreimal hintereinander findet es sich am Anfang des Lukasevangeliums im Zusammenhang mit der Geburt Jesu.
Wo das Wort Freude in der Bibel vorkommt, da geht es so gut wie immer um die gelingende Gottesbeziehung. Der Mensch freut sich an Gott, an seinem Wort und seinen Verheißungen, aber auch Gott selbst freut sich, wo die Beziehung des Menschen zu ihm gelingt.
Ist unsere profane Freude meistens an jenen Moment gebunden, in dem wir uns über etwas freuen, und danach bald wieder verflogen, so hat die Freude, wie sie die Bibel beschreibt und wie eine gelingende Gottesbeziehung sie uns schenkt, aber langfristig Bestand und sie kann uns auch von niemandem und nichts genommen werden, denn sie überdauert alles Irdische und reicht über den Tod hinaus bis in Gottes Ewigkeit.
Unter den Bibelstellen, die von der Freude sprechen, berührt mich jene aus Psalm 126 am tiefsten:
„5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. 6 Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“
Möglicherweise wusste der alttestamentliche Schreiber dieser Verse noch nichts von der Vorstellung einer kommenden Welt, doch was er formuliert, das weist für mich als Christ bereits weit über dieses irdische Leben hinaus in jene Dimension einer Zukunft, die ewig ist und die uns Jesus Christus durch sein Evangelium eröffnet.
Was der Beter des 126. Psalms über die Freude sagt, das stiftet Sinn und es kann uns tragen selbst noch im schlimmsten Leid und im Angesicht der tiefsten Abgründe dieses Lebens.
So hat es einst auch Paul Gerhardt erlebt und uns deshalb sein Lied hinterlassen, das Freude machen kann, wenn wir es in den kommenden Monaten im Gottesdienst gemeinsam singen.
Pfarrer
Armin Kopper



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